Vegan und gesund!

Die Seite für eine gesunde Lebensweise


Kohlgemüse und Gesundheit

 

 

   Kohl? Igitt, der stinkt doch so! Und dann ist er ziemlich preiswert,  ist das nicht eher ein Arme-Leute-Essen?

 

   Stimmt alles, aber es verkennt völlig die inneren Werte der verschiedenen Kohlsorten. Besonders im Herbst und Winter ist es das angesagte Gemüse, weil es jetzt noch frisch aus einheimischem Anbau zu haben ist und in vielen Arten vorliegt und damit Abwechslung in den Speiseplan bringt.

   

Wegen seiner guten Inhaltsstoffe titelt „welt.de“ am 04.10.2017 „Kohl ist das neue Superfood“. Wir wollen mal sehen, ob das stimmt.

   

 

   Welche Kohlarten gibt es?

   

Der Kohl (Brassica) gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse. Die Kreuzblütler wiederum sind eine große Familie, die weltweit bis zu 4.130 Pflanzenarten in sich vereint. Dazu zählen zarte Wildpflanzen wie das Hirtentäschel genauso wie Radieschen, Rettich, Meerrettich, Rucola sowie Pflanzen, die nicht jeder mit Kohl in Zusammenhang bringen würde, wie etwa der Raps, der Braune und Schwarze Senf.

 

   Kohl ist aber aus ernährungsphysiologischer Sicht die wichtigste Kulturpflanze der Kreuz­blüten­gewächse. In den über 3.000 Jahren, in denen er angebaut wird, haben sich aus dem Wildkohl durch Zucht und Kreuzung zahlreiche eigenständige Gemüse entwickelt, die alle zur Kohl-Familie gehören:

  • Weißkohl/Spitzkohl/Jaroma
  • Rotkohl
  • Wirsing
  • Chinakohl
  • Pak Choi
  • Blumenkohl/Romanesco
  • Brokkoli
  • China-Brokkoli (Kai-lan) 
  • Rosenkohl
  • Grünkohl
  • Markstammkohl
  • Palmkohl
  • Kohlrabi
  • Kohl-(Steck-)rübe

 

   Welche gesunden Bestandteile enthalten die Kohlarten?

 

   Kohl enthält eine Vielzahl an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen.

Die Vitamine A, B, C, E, K finden sich ebenso im Kohl wie die Mineralstoffe Calcium, Kalium, Magnesium, Eisen und Kupfer. In 100 Gramm Weißkohl steckt z. B. die gleiche Menge Vitamin C wie in einem Glas Orangensaft. Wer 250 Gramm des Gemüses isst, hat seinen Tagesbedarf ge­deckt. Noch mehr Vitamin C liefern Brokkoli und Rosenkohl. Und wer Eisen zu sich nehmen muss, braucht dafür nicht unbedingt Fleisch zu essen. Er kann auch zu Kohl (und grünen Pflanzen) greifen.

 

 

   Inhaltsstoffe einiger Kohlsorten:

 

Pro 100 g Kohl

Weißkohl

Rotkohl

Blumen-kohl

Brokkoli

Rosenkohl

Grünkohl

Kohlrabi

Kalorien (kcal)

23

24

 

36

 

 

Fett (g)

0,2

0,3

 

 

1

 

Kohlenhydrate (g)

4

2

 

 

2,5

 

Eiweiß (g)

1,5

2

 

4,5

4,3

 

Ballaststoffe (g)

3

2,9

3

4,5

4,2

 

Vitamin C (mg)

50

73

115

115

105

 

Vitamin E (mg)

1,7

 

 

 

 

 

Vitamin B6 (mg)

150

 

 

 

 

 

Vitamin K (mg)

100

208000

250

250

250

7

Vitamin A (mg)

 

 

 

 

860

 

Betacarotin (mg)

 

10

 

 

5000

 

Folsäure (mg)

43

55

 

100

47

 

Calcium (mg)

46

 

105

 

200

 

Kalium (mg)

266

328

 

470

290

 

Magnesium (mg)

18

 

 

 

30

43

Eisen (mg)

 

0,6

1,3

2

2

 

Kupfer (mg)

 

 

126

 

 

 

Schwefel (mg)

68

 

 

 

 

 

 

 

   Welche sekundären Pflanzenstoffe befinden sich in Kohlgemüsen?

  • Glucosinolate (Senföle, schwefelhaltige Aminosäuren und deren Abkömmlinge Sulforaphan und Indole)
  • Anthocyane (rote Farbstoffe)
  • Beta-Carotin und Lutein (gelbrote Farbstoffe)
  • Quercetin und Kaempferol (Farbbausteine)

 

   In allen Kreuzblütlern und somit auch in jedem Kohlgemüse stecken Stoffe, die unter dem Begriff Senfölglycoside zusammengefasst werden. Es gibt rund 120 dieser schwefelhaltigen Verbindungen, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gezählt werden.

Senföle sind in kulinarischer und in medizinischer Hinsicht sehr interessante Stoffe. Denn sie zeichnen sich einerseits durch ihren scharfen Geruch und/oder Geschmack und zuweilen durch eine leicht bittere Note aus (z. B. beim Rosenkohl). Andererseits werden die Senföle aufgrund ihrer heilenden Eigenschaften schon seit längerer Zeit intensiv erforscht.

 

   Allyl-Senföl wirkt laut einer im Jahr 2018 an der Fu Jen Catholic University durchgeführten Studie gegen Entzündungen, Pilze sowie Bakterien und hat in Bezug auf diverse Tumore eine vorbeugende Wirkung. Die Forscher gaben an, dass Allyl-Senföl das Immunsystem stärkt und sogar ein großes Potenzial hat, um Blasenkrebs zu therapieren.

 

   Forscher von der Oregon State University haben Indol-3-carbinol bereits im Jahr 1989 als natürliches Antikarzinogen bezeichnet. Laut einem internationalen Forscherteam haben inzwischen viele Studien die antikarzinogene Wirkung von Indol-3-carbinol bestätigt und auch, dass der Genuss von Kohl zu einer präventiven Ernährung beiträgt.

  

   Bei einem Studienüberblick haben italienische Forscher im Jahr 2018 diversen Senfölen attestiert, dass sie vielen krankmachenden Bakterien zu Leibe rücken. So konnte in vitro und in vivo nachgewiesen werden, dass Sulforaphan stark gegen das Bakterium Helico-bacter pylori wirkt, das zu Gastritis, Magengeschwüren und Magenkrebs führen kann.

 

   Neben den Senfölglycosiden enthält Kohlgemüse viele weitere sekundäre Pflanzenstoffe. Im Jahr 2018 haben chinesische Forscher 12 Gemüsearten aus der Familie der Kreuzblütler wie z. B. Brokkoli, Rosenkohl und Blumenkohl Analysen unterzogen. Dabei konnten 74 phenol­ische Verbindungen, darunter 58 Flavonoide wie Quercetin und Kaempferol sowie 16 Hydroxy­­zimtsäuren wie Ferula- und Sinapinsäure ermittelt werden.

 

   Beide Stoffgruppen weisen eine starke antientzündliche und antioxidative Wirkung auf. Studien haben u. a. gezeigt, dass Hydroxyzimtsäuren dem Übergewicht und den damit zusammenhängenden Erkrankungen entgegenwirken. Die Flavonoide haben zudem anti­allergische, antivirale, antimikrobielle und antikanzerogene Eigenschaften und sollen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen.

 

   Zusammenfassung der gesundheitlichen Wirkungen von Kohlgemüse

  • Es bekämpft schädliche Bakterien, vor allem im Verdauungs- und Urogenitaltrakt, sowie Wundkeime
  • Es fängt freie Sauerstoffradikale ein und schützt so die Zellen
  • Es hemmt die Vermehrung von Krebszellen und verhindert die Bildung von hormonabhängigen Krebsarten
  • Aufgrund seines Ballaststoffgehaltes fördert es die Ausleitung von Giften, vermindert Cholesterin und beeinflusst Diabetes positiv 

 

   Alle Kohlarten enthalten viele Ballaststoffe, die für eine gesunde Ernährung empfohlen werden. Auch der Cholesterinwert wird positiv beeinflusst: In der Leber werden aus Choles­terin Gallensäuren gebildet. Unver­brauch­te Gallensäuren werden norma­lerweise im Darm recycelt. Liegen aber genügend lösliche Ballast­stoffe vor, werden sie von ihnen gebunden und durch die durch die vielen Ballaststoffe be­schleunigte Darm­pas­sa­ge ausge­schieden, ehe sie recy­celt werden können. Der Körper muss jetzt neu­es Cholesterin zur Bildung von Gallen­säuren zur Verfügung stellen. Hinzu kommt, dass recycelte Gallensäuren als ein Risiko­faktor für Darmkrebs gelten.

 

   Ärzte und Ernährungswissenschaftler empfehlen Diabetikern, genügend Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Kohlgemüse kommt Diabetikern zugute, weil es aufgrund seiner Ballaststoffe den Appetit zügelt und dafür sorgt, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen langsamer ansteigt. Infolgedessen wird weniger Insulin freigesetzt. Außerdem trägt eine ballaststoff­reiche Ernährung dazu bei, dass das Risiko, überhaupt erst Diabetes zu bekommen, vermindert wird.

 

   Laut einer internationalen Studie mit fast 20.000 Probanden senkt eine ballaststoffreiche Kost die Gesamtsterblichkeit, da  sie chronischen Erkrankungen, wie etwa Diabetes, entgegen­wirkt. Interessant ist hierbei, dass dies nur auf Ballaststoffe aus Gemüse, nicht aber aus Obst, Hülsenfrüchten und Getreide zutraf.

 

 

   Ist roher Kohl gesünder als gekochter?

 

   Forscher von der The Robert Gordon University empfehlen, Kohlgemüse, wenn möglich, roh zu genießen, da man so ohne Einschränkung von den guten Wirkungen der Senföle profitieren kann. Wer rohes Kohlgemüse nicht mag oder nicht verträgt, sollte der Gesundheit zuliebe schonende Garmethoden wählen und die Garzeit so kurz wie möglich halten. Auf diese Weise kann der Gehalt an Senfölglycosiden in Brokkoli laut einer niederländischen Studie sogar noch um bis zu 17 Prozent gesteigert werden.

 

 

   Welche Bedeutung hat die Kohlfarbe?

 

   Kohlgemüse gibt es in unterschiedlichen Farben, die durch verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe (s. o.) erzeugt werden. Dazu gehören die gelb, orange und rötlich färbenden Carotinoide wie Betacarotin und Lutein (z. B. in Kohlrüben). Viele von ihnen haben eine große Bedeutung als Provitamin A, das heißt, der Körper stellt aus ihnen Vitamin A her. Außerdem haben sie ein großes antioxidatives Potenzial.

   

   Doch Carotinoide stecken keineswegs nur in buntem, sondern auch in grünem Kohlgemüse. Sie sind da nicht sichtbar, weil sie vom Blattgrün (Chlorophyll) überlagert werden. Auch Chlorophylle tragen laut Studien zur Gesunderhaltung bei, da sie u. a. das Immunsystem stärken, den Körper entgiften und der Haut zugutekommen.

 

   Am bekanntesten von den farbigen Kohlsorten sind wohl Rotkohl und blaue Kohlrabi. Für die Farbe ist hier der hohe Gehalt an Anthocyanen verantwortlich, die Studien zufolge zu den allerstärksten Antioxidantien gehören.

 

 

   Ist Kohl bei Fructoseintoleranz verträglich?

 

   Fructoseintoleranz kann zu Symptomen wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall und Völlegefühl führen. Im Kohlgemüse steckt zwar nicht viel Fructose und das Fructose-Glucose-Verhältnis ist ebenfalls ausgewogen. Doch können die Ballaststoffe im Kohlge­müse, die ja schon beim Gesunden zu Blähungen führen, die bei Fructoseintoleranten bestehenden Beschwerden verschlimmern. Man sollte daher kleine Mengen probieren, um die individuell verträgliche Dosierung herauszufinden.

 

 

   Schadet Kohl der Schilddrüse?

 

   Oft wird vor Kohlgemüse im Zusammenhang mit der Schilddrüse gewarnt, weil einige Senfölglycoside wie z. B. Glucobrassicin im Körper teilweise zu Thiocyanaten umgebaut werden, welche die Jodaufnahme im Körper reduzieren. Bislang konnte aber weder experimentell noch epidemiologisch nachgewiesen werden, dass Thiocyanate die Jodaufnahme in der Schilddrüse hemmen, sondern nur, dass der Jodverlust durch sie vergrößert werden kann.

 

   Studien haben mittlerweile gezeigt, dass in der Regel durch das Essen von Kohlgemüse keine Schilddrüsenhemmung zu erwarten ist. Eine koreanische Meta-Analyse hat ergeben, dass ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs nur dann besteht, wenn Menschen extrem viel Kohl­ge­müse essen und gleichzeitig in Jodmangelgebieten leben.

 

 

   Welche Kohlsorten sind besonders gesund?

 

   Alle Kohlgemüsen sind gesund, ganz gleich ob man nun Weißkohl, Rotkohl, Wirsing oder Brokkoli wählt. Dennoch hat jede Kohlart ihre Spezialität, mit der sie sich von anderen Kohlarten abhebt.

 

   Brokkoli ist zurzeit eindeutig jene Kohlvarietät, welcher in puncto Gesundheit am meisten Aufmerksamkeit geschenkt wird. Doch warum ist das so? Einerseits kann der Brokkoli in Bezug auf den gesamten Vitamin- und Mineralstoffgehalt punkten, denn kein anderer Kohl enthält mehr Vitamin C, Vitamin B5 und Kupfer. Und er enthält Glucoraphanin. Das daraus gebildete Senföl Sulforaphan hemmt laut zahlreichen Studien das Krebswachs­tum und verstärkt die gute Wirkung von Chemotherapien.

 

   Darüber hinaus wies ein Forscherteam unter der Leitung von Dr. Jerry Kosmeder an der Universität Chicago im Tierversuch nach, dass Sulforaphan aus Brokkoli sogar die Teilung von Brustkrebszellen blockiert. Das Team arbeitet nun daran, ein Medikament aus synthetisch hergestelltem Sulforaphan (Oxomat) zu entwickeln.

 

   Rosenkohl ist wie der Brokkoli eine ausgezeichnete Vitamin-C-Quelle, liefert jedoch auch außergewöhnlich viel Vitamin K. Nur 30 Gramm Rosenkohl reichen aus, um den offiziell empfohlenen Tagesbedarf an Vitamin K zu 100 Prozent zu decken. Das fettlösliche Vitamin trägt zur Gesundheit der Knochen bei und ist essenziell für die Blutgerinnung. Menschen, die Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung (Marcumar) einnehmen, sollten Gemüse, das wie der Rosenkohl extrem viel Vitamin K enthält, deshalb mit Vorsicht genießen.

 

   Rosenkohl ist das Kohlgemüse mit dem höchsten Gehalt an Senfölglycosiden. Laut Analysen an der Oregon State University steckt in 44 Gramm Rosenkohl ein Gesamtgehalt von 104 Milligramm Senfölglycosiden, während etwa in derselben Menge Brokkoli 27 mg sowie in Blumenkohl 22 mg enthalten sind.

 

   Da verwundert es nicht, dass auch der Rosenkohl in puncto Krebs zumindest eine vor­beugende Wirkung hat. Ein europäisches Forscherteam gab schon im Jahr 2008 bekannt, dass durch den Verzehr von Rosenkohl weiße Blutkörperchen vor Zellschäden geschützt werden, die durch krebserregende Stoffe wie z. B. Amine entstehen, die beim Braten oder Grillen von Fleisch gebildet werden.

 

   Grünkohl sollte aufgrund seines sehr hohen Vitalstoffgehalts viel öfter auf der Speisekarte stehen. Es handelt sich hierbei um die zweitbeste Vitamin-C-Quelle aller Kohlvarietäten. Im Grünkohl steckt gleich viel Vitamin K wie im Brokkoli und es gibt keinen anderen Kohl, der einen höheren Gehalt an Vitaminen der B-Gruppe, Eisen und Calcium enthält. Der hohe Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen macht den Grünkohl zu einem antioxidativen Kraftpaket in puncto Hautalterung, Arteriosklerose, Rheuma, Alzheimer, Parkinson und Krebs.

 

   Im Besonderen überzeugt der Grünkohl aber als der beste Lieferant von Beta-Carotin, das als Baustein nicht nur für das Vitamin A, sondern auch für das Sehpigment Rhodopsin benötigt wird. Letzteres ist für das Hell-Dunkel-Sehen und die Unterscheidung von Grautönen notwendig. Wenn Sie 100 Gramm Grünkohl essen, versorgt es Sie mit 260 % der empfohlenen Tagesdosis an Beta-Carotin.

 

   Zudem steckt im Grünkohl ein beachtlicher Gehalt an Lutein und Zeaxanthin, die ebenfalls zu den Carotinoiden zählen und sich u. a. sehr positiv auf die Augengesundheit auswirken. Lutein und Zeaxanthin sind die einzigen Carotinoide, die in der Makula des Auges vor­kommen. Beide Stoffe spielen eine essenzielle Rolle beim Sehen. Sie bewahren nachge­wiesenermaßen vor dem Grauen Star (Linsentrübung) und der gefährlichen Makula-Degeneration.

 

   Blumenkohl übertrifft andere Kohlvarietäten zwar nur in Hinblick auf den überaus hohen Vitamin-K-Gehalt, enthält aber zahlreiche weitere bioaktive Substanzen. Denn durch Blumenkohl und Brokkoli können jene Bakterien im Darm reduziert werden, die Sulfate zu Sulfiden (Schwefelwasserstoff) umwandeln. Während Sulfate den Gallenfluss anregen und verdauungsfördernd wirken, können Sulfide zu Allergien und Entzündungen führen.

   

   Dies erklärt auch, warum gerade Menschen mit einer zu hohen Sulfidkonzentration im Körper oft von chronischen Darmentzündungen und Darmkrebs betroffen sind und daher von Blumenkohl auf besondere Weise profitieren können.

 

   Rotkohl ist dem Weißkohl in Bezug auf die Inhaltsstoffe und das Aussehen sehr ähnlich und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied. Denn im Rotkohl stecken die sogenannten Anthocyane, die ihm seine intensive rote bzw. violette Färbung verleihen (s. o.).

 

   Eine englische Studie hat gezeigt, dass Obst und Gemüse, das wie der Rotkohl reich an Anthocyanen ist, die stärksten antioxidativen Eigenschaften hat. Die wasserlöslichen Pflanzenfarbstoffe verbessern die Sehvorgänge, wirken gegen Entzündungen, schützen die Gefäße und dienen der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, die mit oxidativem Stress in Verbindung stehen.

 

   Lange wurde von wissenschaftlicher Seite bezweifelt, dass Anthocyane die Gesundheit positiv beeinflussen können, da ihre Bioverfügbarkeit als schlecht eingestuft wurde. Inzwischen wird die antioxidative Wirkung von Rotkohl und Co. jedoch nicht mehr nur den Anthocyanen selbst, sondern gewissen Zwischenprodukten zugeschrieben, die im Körper erst nach ihrer Aufnahme entstehen. Die Bioverfügbarkeit dieser Stoffe ist laut einer im Jahr 2017 veröffentlichten Studie 42-fach höher als die der Anthocyane selbst.

 

   Auch kann es sein, dass bestimmte Anthocyane den Magen-Darm-Trakt gar nicht verlassen und genau dort ihre medizinische Wirkung entfalten, sodass sie anschließend nur noch geringfügig nachgewiesen werden können, wie eine chinesische Studie gezeigt hat.

 

   Kohlrabi zählt im Vergleich zu anderen Kohlvarietäten wie dem Brokkoli bestimmt nicht zu den Superfoods. Und doch steckt im Kohlrabi viel mehr Magnesium als in anderem Kohlge­müse. 150 Gramm Kohlrabi genügen schon, um den Bedarf an diesem Mineralstoff zu fast 20 Prozent zu decken.

 

   Magnesium ist u. a. wichtig für die Nerven und die Muskulatur, aber auch für das Herz und die meisten anderen Körperfunktionen. Laut der Nationalen Verzehrsstudie II sind ein Viertel der Männer und ein Drittel der Frauen von einem Magnesiummangel betroffen.

Der Gesellschaft für Biofaktoren in Stuttgart zufolge ist ein Mangel an Magnesium oft mitverantwortlich für psychische Probleme wie Unruhe, Reizbarkeit, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Depressionen und Burn-out. Magnesiumreiche Lebensmittel wie der Kohlrabi können dazu beitragen, diesen psychischen Problemen entgegenzuwirken.

 

   Blaue Kohlrabis enthalten die bereits erwähnten Anthocyane. Koreanische Forscher haben grünen und blauen Kohlrabi gegenübergestellt und dabei festgestellt, dass die bunte Variante zweimal so viele phenolische Verbindungen enthält und viel stärkere antioxidative, antientzündliche und antidiabetische Eigenschaften aufweist.

 

   Weißkohl zählt im Vergleich zu anderen Kohlvarietäten wie Brokkoli und Rosenkohl in Bezug auf bioaktive Stoffe zwar nicht zu den Spitzenreitern, hat dafür aber einen entscheidenden Vorteil: Er kann auch in größeren Mengen in Form von Salat oder Sauerkraut, roh verspeist werden, sodass durch Garprozesse hervorgerufene Verluste vermieden werden.

 

   Der Weißkohl gilt seit Menschengedenken als Heilmittel, das in der traditionellen Volksheil­kunde noch heute sowohl innerlich als auch äußerlich angewandt wird, z. B. in Form von entgiftenden und antientzündlichen Saftkuren oder schmerzstillenden Auflagen.

In Hinblick auf die verdauungsfördernde Wirkung des Weißkohls kommt dem Sauerkraut eine besondere Bedeutung zu. Denn der durch Milchsäuregärung konservierte Weißkohl enthält lebende Milchsäurebakterien, die probiotisch wirken und sich u. a. bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Durchfall und Verstopfung) bewährt haben. Das Gleiche trifft auf das koreanische Kimchi zu, das aus Chinakohl hergestellt wird.

 

   Eine Studie an der Universität Kiel hat im Jahr 2016 gezeigt, dass die Senfölglycoside vom Weißkohl während der Fermentation zu Sauerkraut fast vollständig abgebaut werden. Dafür entstehen einige neue potente bioaktive Stoffe wie Ascorbigen, das Alterungs-prozessen entgegenwirkt, die Entgiftung fördert, antikarzinogene Eigenschaften hat und ein noch stärkeres Antioxidans ist als Vitamin C ist. Einen weiteren krebshemmenden Stoff entdeckten Forscher des finnischen Lebensmittelinstituts Jokioinen im Sauerkraut. Dabei handelt es sich ebenfalls um schwefelhaltige Substanzen (Isothiocynate), die beim milchsauren Vergären des Weißkohls entstehen.

 

   Doch wenn Sie von den Milchsäurebakterien im Sauerkraut bzw. Kimchi profitieren möchten, sollten Sie es selbst herstellen (s. mein Kochbuch) bzw. beim Kauf darauf achten, dass dieses nicht durch Erhitzen konserviert wurde. Denn die nützlichen Milchsäure­bakterien sterben dadurch ab.

 

 

   Welche medizinischen Anwendungen von Kohl sind bekannt?

 

   Kohl verfügt über Wirkstoffe, die Entzündungen hemmen oder auch vor Krebs schützen. Viele Wirkungen, die in der Volksmedizin schon lange bekannt sind, werden erst heute wissenschaftlich erforscht und nachgewiesen.

 

   Aus Weißkohl- oder Wirsingblättern können Sie sich altbewährte Hausmittel zur innerlichen oder äußerlichen Anwendung herstellen bzw. Sie kaufen sich einen fertig gepressten Kohlsaft.

 

   Aufgrund seiner Inhaltsstoffe wirkt der Weißkohl schmerzstillend, entzündungshemmend, entgiftend und abwehrsteigernd. Außerdem sollen die Weißkohlblätter ein Anti-Ulkus-Stoff (Methiosulfoniumchlorid) enthalten, durch das der Kohlsaft die Magenschleimhaut vor dem Angriff der Magensäure schützen und der Bildung von Magengeschwüren entgegen­­wirken kann. Vor allem bei Magenproblemen, die auf eine Übersäuerung zurückzuführen sind (Magenschleimhautentzündungen, Sodbrennen und Entzündungen der Speiseröhre), hat sich Kohlsaft bewährt. Daher hat in der Volksmedizin die innerliche Anwendung eine lange Tradition.

 

   Forscher an der John-Hopkins-Universität in Baltimore fanden heraus, dass Brokkoli bei Patienten mit dauerhaft verengten Bronchien und Lungen-Emphysemen Linderung brachte. Der Stoff Sulforaphan bremste den Abbau eines wichtigen Enzyms im Körper der Patienten. Dadurch ließen die Symptome nach.

 

   Im antiken Griechenland und in Rom setzten die Menschen Kohl ein, um Unterleibs­schmerzen von Frauen zu lindern.

 

   Früher wandten die Menschen oft Kohlwickel an, um Halsentzündungen und andere Infektionen zu bekämpfen. Bis ins 19. Jahrhundert fand diese Methode auch zur Behandlung von Wunden Anwendung. Naturheilkundler setzen sie noch heute gegen Schmerzen der Gelenke ein.

 

   Wie werden Kohlwickel angewandt?

 

   Für solche Kohlwickel nimmt man zwei gewaschene, dunkelgrüne äußere Wirsing- oder Weißkohlblätter und schneidet die harte Mittelrippe flach ab. Dann werden die Blätter mit einem Nudelholz oder mit einer Flasche so lange gerollt, bis sie weich sind und der Kohlsaft austritt. Danach legt man die Kohlblätter auf die schmerzende oder entzündete Stelle und bedeckt sie mit Frischhaltefolie. Um alles wickelt man zum Schluss eine Binde und lässt den Wickel über Nacht einwirken. Dabei spürt man deutlich, wie die kranke Stelle zu arbeiten beginnt (Pochen). Das wiederholt man, nach Möglichkeit auch tagsüber, bis die Schmerzen aufhören.

 

   Aufgrund der entzündungshemmenden und entgiftenden Wirkung helfen Kohlauflagen z. B. bei Kniebeschwerden, Krampfadern, Tennisarm, Halsschmerzen, Geschwüren und Rheuma.

 

   An einer vierwöchigen Studie an der University of Duisburg-Essen nahmen 81 Patienten teil, die an einer Knie-Arthrose in den Stadien II bis III litten. Sie wurden in drei Gruppen eingeteilt: Die Patienten der Gruppe 1 wurden täglich für mindestens 2 Stunden mit einem Kohlwickel, die der Gruppe 2 mit einem Schmerzgel (Wirkstoff: Diclofenac) und die der Gruppe 3 mit anderen üblichen Methoden behandelt.

 

   Dabei wurde festgestellt, dass die Kohlwickel deutlich besser wirkten als andere Therapien. In puncto Schmerzlinderung konnten mit dem Gel zwar die besten Resultate erzielt werden, doch die Patienten waren mit beiden Therapien zufrieden. Die Forscher stuften die Kohlwickel als empfehlenswerte Alternative ein, zumal das Schmerzgel mit Nebenwirkungen wie Hautausschlag, Hautrötung und Hautentzündungen einhergehen kann.

 

   Mit Kohlwickeln habe ich selbst schon gute Erfahrungen gemacht.

 

 

   Fazit: Kohlgemüse ist ein wahres einheimisches „Superfood“, das man in seiner vielseitigen Ausprägung oft auf den Tisch bringen und bei gegebenen Anlass auch als Heilmittel einsetzen sollte.

 

 

   Quellen:

https://www.welt.de/

https://www.planet-wissen.de/

www.zentrum-der-gesundheit.de

www.gesundheitswissen.de/

 
Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!