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   Selen – Spurenelement und Multitalent

 

   

   So titelte eine Zeitungsbeilage ihren Artikel über das Element Selen. Tatsächlich wird Selen immer wieder als heilendes Wundermittel, z. B. bei Herz- Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, empfohlen. Aber kann es auch halten, was dabei versprochen wird?

Seinen Namen hat dieses Halbmetall vom griechischen Wort für Mond, weil es einige Ähnlichkeiten zu Tellur („Erde“) aufweist. Es kommt natürlicherweise im Erdreich als Anteil in vielen Sulfiden vor. Aber sein Vorkommen ist in den weltweiten Böden sehr unter­schiedlich verteilt. Unsere europäischen Böden sind meistens Selen-arm und infolgedessen enthalten auch unsere einheimischen Nahrungsmittel wenig von diesem Stoff. Daher gehen manche Länder dazu über, ihre Düngemittel und das Viehfutter mit Selenverbindungen anzureichern.

 

 

   Und warum dieser Aufwand?

   Selen ist ein essentielles (lebenswichtiges) Spurenelement für Menschen, Tiere und viele Bakterien. Wegen seiner hohen Reaktivität mit Sauerstoff spielt Selen bei Tieren und Menschen eine wichtige Rolle im Schutz der Zellmembranen vor oxidativer Zerstörung (Radikalenfänger) und es stärkt das Immunsystem, da es als Baustein der Aminosäure Selenocystein ein Bestandteil verschiedener Enzyme ist. Weiterhin ist es notwendig zur Bildung von Spermien und der Produktion der Schilddrüsenhormone, genauer bei der „Aktivierung“ von Thyroxin (T4) zu Triiodthyronin (T3). Da T3 im Stoffwechsel viel wirksamer als T4 ist, resultiert aus einem T3-Mangel eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

 

   Lange wurde behauptet, die Einnahme selenhaltiger Nahrungsergänzungsmittel würde vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Neuere Studien dagegen ergaben, dass dies nicht der Fall ist. Diskutiert wird, ob Selen bestimmten Tumorerkrankungen wie Darm-, Prostata- oder Lungenkrebs vorbeugt. Der Zusammenhang ist jedoch wissenschaftlich nicht gesichert.

 

   Dass Selen aber einen Beitrag zur Aufrechterhaltung verschiedener Körperprozesse leistet, ist unumstritten. Besonders für die Funktion des Immunsystems benötigt der Organismus das Spurenelement zwingend.

 

   Laut europäischer Health-Claim-Verordnungen sind folgende gesundheitsbezogene Aussagen für Selen zugelassen:

•   Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei

•   Selen trägt zur Erhaltung normaler Haare bei

•   Selen trägt zur Erhaltung normaler Nägel bei

•   Selen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei

•   Selen trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei

•   Selen trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen

 

   Als weitere Wirkungen werden behauptet:

  • Selen bindet Giftstoffe im Körper und leitet sie aus
  • Es ist an der Bildung von Serotonin – dem „Glückshormon“ – beteiligt
  • Es fördert den Muskelaufbau und unterstützt die Fettverbrennung
  • Selen wirkt in Anti-Schuppen-Haarshampoos und zur Vorbeugung / Therapie von Pityriasis versicolor, einer durch einen Hefepilz verursachten Hauterkrankung
  • Selen unterstützt die HIV-Therapie

 

   Wie kommt es zu einem Selenmangel?

 

   In Deutschland ist bei gesunden Personen mit abwechslungsreicher Ernährungsweise ein Selenmangel selten anzutreffen. Es wird aber vermutet, dass Teile der Bevölkerung nur grenzwertig versorgt sind.

 

   In anderen Ländern dagegen, in denen eine einseitige und regionale Ernährung bei gleichzeitig sehr niedrigem Selengehalt der Böden vorherrscht, kann es zu einem Mangel kommen. Das trifft vor allem auf afrikanische und zentralasiatische Länder zu.

Andere Ursachen für einen Selenmangel können ein Gendefekt sein, der sich auf den Selenstoffwechsel auswirkt, sowie Krankheiten, die zu einer unzureichenden Aufnahme von Selen im Organismus führen. Zu letzteren zählen beispielsweise Mukoviszidose, Niereninsuffizienz und chronisch entzündliche Darmerkrankungen sowie Essstörungen (Magersucht, Bulimie). Natürlich sind auch Vegetarier und besonders Veganer schlechter mit Selen versorgt, da hierzulande tierische Lebensmittel zu den wichtigsten Selenlieferanten zählen, zumal Tierfutter in der EU mit Selen angereichert werden darf. 

 

   Folgende Tabelle liefert beispielhaft Hinweise, mit welcher Lebensmittelauswahl die Selen-Referenzwerte für Erwachsene (Männer 70 µg pro Tag, Frauen 60 µg pro Tag) erreicht werden können. Die hier dargestellten Angaben zum Selengehalt in Lebensmitteln sind Analyseergebnisse aus Deutschland (Ausnahme: Paranüsse) aus den 1990er Jahren. Wie oben angeführt, schwankt der Selengehalt in Lebensmitteln je nach Anbaugebiet stark und deshalb sind die Angaben zum Selengehalt in ihrer Aussagekraft nur eingeschränkt gültig.

 

 

Portionsgröße, verzehrbarer Anteil in g

Lebensmittel

Selengehalt pro Portion in µg

Selengehalt Summe in µg

100

Roggenvollkornbrot

1,4

70

60 (2 Scheiben)

Emmentaler

4,1

60 (1 Stk.)

Ei

10,8

150

Makrele

35,4

250

Reis

10,5

250

Champignons

7,8

120

Linsen

54,6

74

150

Geflügelfleisch

19,1

25 (ca. 6 Stk.)

Paranüsse

63,5

64

60 (2 Scheiben)

Gouda

5,8

60

150

Bismarckhering

47,6

250

Kartoffeln

1,2

100 (1 Stk. mittel)

Banane

1,7

150

Joghurt

1,7

150

Weißkohl

1,8

 

 

 Nachfolgend für Veganer gesondert eine Aufzählung der Pflanzen, die besonders gut Selen speichern können.

 

1. Kokosnüsse (400-800 Mikrogramm/100 g)

2. Steinpilze (ca. 190 Mikrogramm/100 g)

3. Pistazien (ca. 130 Mikrogramm/100 g)

4. Weizenkleie (ca. 100 Mikrogramm/100 g)

5. Paranüsse (ca. 100 Mikrogramm/100 g)

6. Sojabohnen (ca. 45 Mikrogramm/100 g)

7. Naturreis (ca. 40 Mikrogramm/100 g)

8. Mungbohnen (ca. 16 Mikrogramm/100 g)

9. Mais (ca. 12 Mikrogramm/100 g)

10. Linsen (ca. 10 Mikrogramm/100 g)

 

   Wie bereits oben erwähnt, hängt der tatsächliche Selen-Gehalt immer auch mit der Bodenbeschaffenheit zusammen, deshalb sind die Angaben nur als ungefähre Werte zu verstehen.

   Weitere Selen-speichernde Pflanzen sind: Spargel, Kohlgemüse (Weißkohl, Brokkoli), Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie, Knollensellerie, Kohlrabi, Kartoffeln und Kürbiskerne.

 

   Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt keine empfohlenen Zufuhrmengen an, sondern nennt lediglich Schätzwerte für eine tägliche angemessene und gesundheitlich nicht bedenkliche Aufnahmemenge. Sie beruhen auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen von bestimmten Markern im Blut, die einen Rückschluss auf die Selenkonzentration zulassen. Für Frauen werden 60 Mikrogramm pro Tag als angemessene Zufuhr genannt, für Männer 70 Mikrogramm. Kinder sollten je nach Altersklasse entsprechend weniger aufnehmen.

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt ebenfalls 70 Mikrogramm.

 

 

   Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr

Alter

Selen
µg/Tag

männlich

weiblich

Säuglinge

0 bis unter 4 Monate

10

4 bis unter 12 Monate

15

Kinder und Jugendliche

1 bis unter 4 Jahre

15

4 bis unter 7 Jahre

20

7 bis unter 10 Jahre

30

10 bis unter 13 Jahre

45

13 bis unter 15 Jahre

60

15 bis unter 19 Jahre

70

60

Erwachsene

19 bis unter 25 Jahre

70

60

25 bis unter 51 Jahre

70

60

51 bis unter 65 Jahre

70

60

65 Jahre und älter

70

60

Schwangere

 

60

Stillende

75

 

 

 Kann man des Guten auch zu viel machen?

 

   Als einfache Lösung, um keinen Selenmangel zu erleiden, bieten sich auf den ersten Blick Nahrungsergänzungsmittel an.

Folgende Mineralstoffverbindungen sind gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (Fassung vom 13.3.2015) für Selen in Deutschland und anderen EU-Ländern in Nahrungs­ergänzungsmitteln zugelassen:

  • L-Selenomethionin
  • Selen-angereicherte Hefe
  • Selenige Säure
  • Natriumselenat
  • Natriumhydrogenselenit
  • Natriumselenit

 

   Für bestimmte Bevölkerungsgruppen, z. B. Veganer (bei extrem einseitiger Ernährung), Dialysepatienten, Essgestörte (Magersucht, Bulimie) und bei Krankheiten, die die Nährstoffaufnahme im Darm beeinträchtigen, kann eine angemessene Nahrungsergänzung auch sinnvoll sein – aber vorsichtshalber erst nach Rücksprache mit dem Arzt, der den Selenspiegel in einer Blutprobe im Labor bestimmen lassen kann, um einen Bedarf zu überprüfen.

 

   Denn wer dauerhaft sehr viel Selen über Präparate zuführt, kann eine sogenannte Selenose bekommen. Dabei kann es zu neurologischen Problemen, Seh- und Gedächtnisstörung, Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Übelkeit und Durchfall kommen. Im späteren Verlauf geht eine Selenose mit Symptomen wie dem Verlust von Haaren, gestörter Nagelbildung, Zahnproblemen und einem charakteristischen knoblauchartigen Geruch der Atemluft einher. Eine akute Selenvergiftung durch Zufuhr von mehreren Gramm Selen kann zu Herzversagen sowie Kammerflimmern und damit zum Tod führen.

 

   Ohne Risiko für schädliche Nebenwirkungen ist laut Europäischer Behörde für Lebensmittel­sicherheit (EFSA) für Erwachsene eine Zufuhrmenge von 300 µg Selen pro Tag. Die meisten Nahrungsergänzungsmittel enthalten aus diesem Grund maximal 200 µg pro Tag. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass in Europa negative Effekte durch die Einnahme von Präparaten auftreten, wenn sie vorschriftsmäßig verwendet werden. Bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 bis 17 Jahren liegen die tolerierbaren Gesamtzufuhrmengen abhängig vom Körpergewicht zwischen 60 µg und 250 µg Selen pro Tag.

 

   Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dagegen empfiehlt, eine Tagesmenge von 45 Mikrogramm in Nahrungsergänzungsmitteln nicht zu überschreiten.

 

   Auf der sicheren Seite ist man –  falls man nicht krank ist – wie immer bei einer vielseitigen und vollwertigen Pflanzenkost!

 

 

 

Quellen:

 

 

 

 

                                    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

 

 
 
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